Translations

Redebeiträge Übersicht: 

14:00 Sammeln im Sigmund Freud Park 

15:00 Demozug zum Heldenplatz

 16:00 Schweigeminute am Heldenplatz

 Audiodatei mit Namen der ermordeten Trans*personen

 Ende

 


 

 

Mo Blau (dey/they) – Transgenderreferat der HOSI Wien

(DE)

Hallo liebe Alle!

Es freut mich, dass heute so viele Menschen zum Trans Day of Remembrance erschienen sind, obwohl es kalt ist und das Thema kein schönes.

Ich finde das zeigt ganz eindrucksvoll, dass es nicht nur mir ein Anliegen ist, auf die momentanen Probleme hinzuweisen, mit denen wir als trans Personen zu kämpfen haben!

Der Trans Day of Remembrance heißt wörtlich übersetzt “Trans tag der Erinnerung´´. Und darum soll es vorwiegend heute gehen: Wir erinnern uns an die trans Geschwister, mit denen wir nicht mehr sprechen können, weil sie nicht mehr sind. Wir erinnern uns an die trans Geschwister mit denen wir nie reden konnten, weil sie vor unserer Zeit systematisch verfolgt, eingesperrt und ermordet wurden. Als marginalisierte Gruppe geschah das in vielen Kulturen zu vielen Zeiten der Geschichte. Doch besonders ein dunkles Kapitel Österreichischer Geschichte springt unweigerlich ins Auge:

Der Nationalsozialismus, welcher in seiner allgemeinen Schrecklichkeit bei uns noch nicht ganz aufgearbeitet und verarbeitet wurde, forderte auch transgeschlechtliche Opfer. Wir stehen leider noch am Anfang dieser historischen Analyse. Bisher galt als allgemeiner Konsens, dass vor allem schwule und bisexuelle cis Männer unter dem Rosa Winkel verfolgt und getötet wurden. Darüber gibt es unmissverständliche Aufzeichnungen. Auch gleichgeschlechtlich liebende cis Frauen, wurden mittlerweile nachweislich, oft unter dem schwarzen Winkel, ermordet. Bei der Aufarbeitung zur Verfolgung von trans Personen stellt sich die Recherche allerdings schwieriger dar. Zum einen hängt das damit zusammen, dass sich die Begriffe und damit die Greifbarkeit von Transidentität erst Ende des 20. Jahrunderts verfestigten, zum anderen muss gesagt werden, es hatte einfach bislang keine erhöhte Priorität.

Doch heutzutage haben wir neue Hilfen: wir haben die Worte, und damit eine Art Brille durch die wir beobachten können, um Identitäten gegeneinander abzugrenzen, Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, wir haben jedoch auch die Aktivist*innen und Historiker*innen, die sich diese Brille gerne aufsetzen. Es ist zum Anliegen geworden, auch unseren ermordeten trans Geschwistern eine Stimme zu geben.

Nun sind die Zeiten des Nationalsozialismus glücklicherweise Geschichte, ein solch unvorstellbares Ausmaß an Grausamkeit ist zu diesem Zeitpunkt in Österreich unvorstellbar. Trotzdem werden weiterhin trans Personen in Österreich ermordet. Sie sind also weiterhin die Opfer eines Systems, das bestehen bleibt. Opfer von systematischem Transhass.

Wir sind weiterhin Opfer von Frauenfeindlichkeit, obwohl nicht alle von uns Frauen sind. Weiterhin Opfer von Homohass, obwohl nicht alle von uns gleichgeschlechtlich lieben. Opfer des Patriarchats.

Für heute muss das folgendes heißen: Morde passieren nicht von ungefähr. Sie sind die punktuelle akute Entladung einer Kultur, die Hass gegen uns direkt oder indirekt fördert.

Es beginnt bei Mikroaggressionen: ein komischer Blick in der Ubahn, Ärgernis über die selbstbestimmte Wahl der Pronomen und des Namens.

Es frisst sich vor zu institutioneller Diskriminierung: also die Pathologisierung von Geschlechtsidentität, Einschränkung der Personenstandswahl, die Weigerung neutrale Anreden zu verwenden, obwohl das gesetzlich geregelt angeboten werden muss.

Es verleitet zu transfeindlichen Übergriffen: öffentliche Beleidigungen, bespuckt oder Opfer körperlicher Gewalt werden.

Und es endet…nachdem all diese Punkte scheinbar gesellschaftlich akzeptiert wurden, in Mord.

Doch nicht mal da endet es wirklich. Die Familien und Wahlfamilien der Opfer erleben nach dem Tod der Geliebten, wie trans Personen in den Medien für ihren eigenen Mord verantwortlich gemacht werden, mit den falschen Pronomen, dem falschen Namen bezeichnet werden, wie die Hetze online weitergeht.

Das alles dürfen wir nicht mehr akzeptieren, WOLLEN wir nicht mehr akzeptieren. Es reicht! Ich sage es nochmal, es ist endlich genug!

Gebt uns unseren Schutz, gebt uns unsere Rechte, gebt den anderen die Bildung, und denjenigen die Missbilligung, die sie verdienen!

Ich fordere lückenlose Aufarbeitung der transfeindlichen Übergriffe und Morde in Österreich. Sowohl während der Zeit des Nationalsozialismus, als auch heute, vor allem aber die Aufarbeitung derer von morgen.

Dazu fordere ich eine explizite Nennung von Transidentität im Diskriminierungsschutzgesetz, verpflichtende Schulungen aller staatlichen Institutionen. Polizei, Magistrat, was es nicht alles gibt.

Ich fordere eine umfassende Aufklärung und Bildung über Transidentität. Angefangen mit Kindergärten, Schulen, Universitäten, in Ausbildungen, vor allem im medizinischen Bereich.

Eine Verbesserung der momentan prekären Lage bei medizinischer Versorgung. Es kann nicht sein, dass sich trans Personen im Internet Hormone kaufen müssen, weil niemand sie behandeln will und sobald sie jemanden finden, dann die Lieferungen für Medikamente fristlos eingestellt werden. Wir nehmen die nicht zum Spaß! Eine bessere wissenschaftliche Absicherung durch Studien zu möglichen Nebenwirkungen. Ich möchte die Pharmaunternehmen nicht schriftlich von ihrer Haftung entbinden, nur weil es offiziell einfach keine Hormone für trans Personen gibt! Stichwort off-label Use.

Ich fordere, dass geschlechtsangleichende Operationen kein Hobby einzelner Mediziner*innen bleibt, sondern in ihre Ausbildung integriert wird, staatlich gefördert wird. Wir möchten Zugang zu eigens ausgebildeten Psychotherapeut*innen. Private Krankenversicherungen helfen uns da nämlich nicht, weil die uns aus den eben genannten Gründen als Risikofall einstufen und garnicht nehmen.

Ich fordere Solidarität mit den Opfern transfeindlicher Gewalt anderer Länder, einen Aufschrei auch bei staatlichen Repressionen.

Freie Personenstandswahl und leistbarer Zugang zu Dokumenten im gelebten Geschlecht. Ich fordere das Ende der rechtswidrigen Ungleichbehandlung nicht-binärer endo Personen (also solche, die nicht zufällig auch intersex sind).

Ach, es gibt noch so viel zutun in unserem Land.

Nochmal kurz gesagt, ich fordere:

AUFKLÄRUNG

ZUGANG

und vor Allem

SCHUTZ

Wir trans Personen sind nämlich, entgegen vieler Vermutungen, weder Fabelwesen, noch Hirngespinste. Wir sind Menschen. Und Menschen verdienen Rechte. Zeigt uns das mit euren Taten, denn Transrechte sind Menschenrechte!!!

 

(EN)

I’m happy that so many of you came here today for the Trans Day of Remembrance, event though the weather is cold and the topic is not cheerful.

Our agenda on this Trans Day of Remembrance is to remember our trans siblings who we can’t talk to today because they are no more. We remember the trans siblings who we could never talk to, because they were systematically persecuted, locked away and murdered before our time. As a margnialized group, this happened in many cultures and many points in history.

I think it shows that it is not only my personal concern to point out the problems we as trans persons face at the moment!

The crimes which happened during th era of National Socialism have not been fully uncovered and processed to this day. Trans people were prosecuted under the regime, and we are only beginning to analyze this historically. Gay and bisexual cis men had to wear a badge with a pink triangle; they were persecuted and murdered by the Nazi regime, there are recordings about that. It is also recorded that cis women who had same-sex relationships were persecuted, they most of the time had to wear a badge with a black triangle. The research regarding trans people is more difficult. On the one hand, terminology and definition of trans identity only solidified towards the end of the 20th century, on the other hand, it has not been a priority up until now.

We are still victims of mysogeny, even though not all of us are women. We are victims of homophobia, even though not all of us want same-sex relationships. Victims of partiarchy.

Luckily, the National Socialist regime is history, and the extent of cruelties committed under the regime is unthinkable in Austria today. However, trans persons are still murdered in Austria. They are still victims of a system which persists. Victims of systematic hate against trans people.

Nowadays, we have tools to help us with this research: We have new perspectives which help us to define identities and see common features, we have activists and historians which are willing to take up those perspectives. It has become a concern to give our trans siblings a voice.

And it ends… after all of this has been tolerated by society, with murder.

This leads to transphobic incidents: public insults, being spat at, being the victim of physical violence.

It goes on with institutional discrimination: the pathologization of gender identity, the restrictions regarding the selection of a gender marker, the refusal to use neutral forms of address, even though their use is prescribed by law.

It starts with microaggressions: an odd look on the subway, the offence others take for the self-determination of pronouns and names

For us today, this means: Murders do not happen by chance. They are acute discharges of a culture which supports hate against us directly or indirectly.

I demand the explicit mention of trans identity in anti discrimination law and obligatory trainings for state institutions. Police, magistrate, and so on…

I demand the investigation of transphobic crimes and murders comitted in Austria during the Nazi regime, as well as today, as well as the ones which are to be committed in the future.

Give us protection, give us rights, give us education, and the blame to those who deserve it!

We cannot accept this anymore, we do not WANT to accept this anymore. It is enough! I’m going to say it again: It is enough!

But it does not even end there, really. The families and the chosen families of the victims have to live through the media blaming the murder on the victims themselves, using the wrong pronouns, the wrong name, the hate continuing online.

I demand the all-around education about trans identity, starting in kindergardens, schools, universities, trainings, especially in the medical sector.

An improvement of the medical care, which is precarious at the moment. It is unacceptable that trans people have to buy hormones on the internet, because nobody wants to treat them and as soon as they find someone, the delivery of medication is immediately dismissed. We do not take them for fun! A better scientific investigation of side effects. I do not want to exempt pharmaceutic companies from their liability, just because officially, there are no hormones for trans people. Buzzword: Off-label use.

I demand that gender-affirming surgeries should not be a hobby of some doctors, but part of their formation, paid by the state. We want access to specifically trained psychotherapists. Private health insurance do not help us out, because they file us a risk cases because of the reasons mentioned before and refuse to insure us.

I demand solidarity with the victims of transphobic violence in other countries, an uproar, when there is repression by the state!

Self-determination of the gender marker and affordable access to the documents with the correct gender marker. I demand the end of the illegal unequal treatment of non-binary endo persons (that is, those who do not happen to be intersex at the same time).

There is so much left to change in this country.

Again, in short, I demand:

AWARENESS WORK

ACCESS

and, above all:

PROTECTION

Us trans people are, against many presumptions, neither mythical creatures, nor fantasies. We are humans. And humans deserve rights. Show this to us with your deeds, because trans rights are human rights!!!

 


 

 

Faris – Afro Rainbow Austria

 

(EN)

(DE)

 


 

 

Amir Ali – Queer Base

(EN)

Hello friends,

I am Amir Ali from Iran, I am female-to-male transgender. Today I want to talk about the conditions of trans people and other gender minorities in Iran. In Iran, when you decide to reassign gender, the Iranian government does not help you in any way. They even call you crazy. You have had to see a psychologist for about two years and a forensic doctor for the government to confirm that you are transgender. Procedures are so complicated, and the psychological pressure is so high that many people in Iran are not able to do it. In Iran and many other countries, trans people have no social status. In Iran, trans people cannot live like a normal person.

You don’t have basic rights in Iran: You have trouble finding a job or school. You are not accepted easily in society.

There are many problems in Iran regarding the access to hormone therapy and operations. You are hardly allowed to operate. I know many people in Iran and even I was rejected by my family when they found out that I am transgender. Furthermore, in Iran, you do not have sexual freedom. Male-to-female transgenders have many problems, the Iranian government sends them to the army and they are sexually and emotionally abused. Many queer activists in Iran are in prison and are abused. Let’s also mention Zahra Sedighi and Elham Chobdar who are in prison, and I hope they will be released as soon as possible.

I hope that a day will come in the world when all people with any orientation in any country can have a free and comfortable life.

 

(DE)

Hallo Freund*innnen, mein Name ist Amir Ali und ich komme aus dem Iran.

Ich bin ein trans Mann. Ich möchte euch von den Zuständen erzählen, unter denen trans Personen und andere gender-minorities im Iran leben.

Wenn du im Iran deinen Geschlechtseintrag korrigieren möchtest, hilft dir die Regierung überhaupt nicht. Sie sagen, dass du verrückt bist. Eine Person muss zwei Jahre lang Psychotherapie gemacht haben und sich von einem Amtsarzt untersuchen lassen, damit die Behörden bestätigen, dass sie transgender ist. Der Prozess ist so kompliziert und der psychische Druck ist so hoch, dass viele Menschen im Iran es nicht schaffen. Im Iran und in vielen anderen Ländern haben trans Personen keinen sozialen Status. Im Iran können trans Personen nicht wie normale Menschen leben.

Man hat keine Grundrechte im Iran. Man hat Probleme, eine Arbeit oder eine Schule zu finden. Man wird von der Gesellschaft nicht so leicht akzeptiert. Es gibt viele Probleme im Iran, was Hormontherapien oder geschlechtsaffirmierende Operationen angeht. Es ist fast unmöglich.

Ich kenne viele Menschen im Iran, die wie ich von ihrer Familie verstoßen wurden, als sie sich geoutet haben. Es gibt im Iran auch keine sexuelle Freiheit. Trans Frauen haben viele Probleme, sie werden zur Armee eingezogen und erleben sexuellen und emotionalen Missbrauch. Viele queere Aktivist*innen im Iran sind in Haft und werden missbraucht. Wir wollen auch an Zahra Sedighi und Elham Chobdar denken, und ich hoffe, dass sie bald aus der Haft entlassen werden.

Ich hoffe, dass ein Tag kommen wird, an dem alle Menschen mit jeder Orientierung und jedem Geschlecht in jedem Land ein freies und angenehmes Leben haben können.

 


 

 

Zoe* Steinsberger

 

(DE)

Trans* Personen sind oft von Armut und Prekarität betroffen. Im Schnitt verdienen wir weit weniger als unsere cis Kolleg*innen. Nach unseren Coming-Outs müssen wir häufig den Job wechseln, und bekommen dort dann weniger Geld. Oder wir werden erwerbslos. Im EU-Schnitt sind trans* Personen etwa 3 Mal so oft erwerbslos wie cis Personen. Cissexismus und Transmisogynie durchziehen die Lohnarbeit auch in Österreich. Sie verschränken sich mit Rassismus, Klassismus, Ableismus. Trans* Personen of Color und Schwarze trans* Personen sind besonders oft erwerbslos. Trans* Personen mit niedrigen formalen Bildungsabschlüssen und niedrigen Lohn verlieren durch ihre Transition besonders viel ihres Einkommens. Insgesamt finden wir uns häufig in unsicheren und prekären Arbeitsverhältnissen und Branchen, in der Gastro, der Kunst und Unterhaltung. Viele von uns arbeiten als Ein-Personen-Unternehmen. So können sie Diskriminierung durch Kolleg*innen zu entgehen. Bezahlten Urlaub und bezahlte Krankenstände gibt es aber nicht, oder nur teuer zusatzversichert.

Gleichzeitig sind trans* Leben besonders teuer. Den Personenstand zu ändern oder die Diagnose für Hormone und OPs kostet ein kleines Vermögen. Und oft zahlt die Kasse nur die billigsten, schlechtesten OPs. Ganz selten nur erstatten sie die weiteren OPs, die viele von uns nicht nur brauchen, um sich in ihrem Körper wohl zu führen, sondern schlicht, um sich einigermaßen sicher zu sein. Den als trans* aufzufallen ist nicht nur unangenehm, sondern es bedeutet auch oft rohe physische Gewalt. Viele trans* Personen können sich aber keine Krankenkasse leisten, oder können, weil sie nicht die passende Staatsbürger*innenschaft haben, ihren Namen und Geschlecht im Pass nicht ändern. Trans* Leben sind aber auch teuer, weil viele von uns sich wegen alltäglichen Diskriminierungen entschließen, lieber alleine zu wohnen – und bei der Wohnungssuche in Österreich noch immer ganz legale Transfeindlichkeit erleben.

Die massive Inflation trifft uns daher besonders hart. Die Inflation der Lebensmittelpreise liegt bei 20 Prozent. Die Preissteigerungen für Energie beträgt im Schnitt bei 55 Prozent zum Vorjahr. So sind trans* Personen mit ihren eher kleinen Einkommen besonders von den aktuellen Preissteigerungen betroffen und diejenigen mit den geringsten Einkommen unter uns am stärksten. So trifft die aktuelle Inflation überproportional trans* Personen, die rassistisch, klassistisch oder ableistisch diskriminiert werden.

Was hier nüchtern, mathematisch klingt, ist für uns gelebte Realität. Waren die Leben der allermeisten trans* Personen nicht bereits schon vor der aktuellen Krise prekär, sind sie es nun endgültig. Die Unsicherheit, die die Normen von weißer, ablistischer Cis-Zweigeschlechtlichkeit in unser Leben einführen, wird potenziert durch die vertiefte gesellschaftlichen ökonomischen Krise. „Soll ich mich gerade jetzt im Job outen?“, „Kann ich mir meine OP oder meine Hormone jetzt noch leisten?“, „Kann ich mir den Drink in einer Szenebar noch leisten?“, sind Fragen, die sich viele von uns aktuell noch häufiger und auch verzweifelter als sonst schon stellen.

In diesem Land, in dem sich die Bundes- und Landesregierungen beharrlich weigern, die aktuelle Situation als eine soziale Krise anzuerkennen, so, wie sie sich beharrlich weigern, Neoliberalismus und Kapitalismus generell als soziale Krise zu begreifen, in einem Land, in dem Rassismus, Sexismus und Ableismus so viele von Sozialleistungen ausschließen, reicht es nicht, immer wieder an die Regierung zu appellieren. Denn darüber hinaus gilt es, unter uns Solidarität zu entwickeln und zu vertiefen. Denn Trans* Leben hier sind zutiefst gespalten von Rassismus, Klassismus und Ableismus. Es sind Linien und Spaltungen, die einigen von uns Privilegien sichern. Und es sind Linien, die es dieser Regierung und dem Kapital ermöglichen, uns alle weiter auszubeuten, manche trans* Leben mit Armut bedrohen und andere in Armut werfen.

Um diese Linien zu unterwandern, vielleicht sogar, um sie eines Tages aus der Welt zu schaffen, brauchen wir kollektive Räume. Räume wie heute, wo sich viele von uns versammeln, und Orte wie nicht-kommerzielle Bars und Clubs, wie es sie in Wien etwa in der Villa gibt. Und wir brauchen den Mut und die Kraft, um miteinander in Dialog zu kommen. Das darf nicht die Arbeit der Marginalisiertesten unter uns sein. Es ist eine kollektive Aufgabe. Für diejenigen, die wie ich eher privilegiert sind, heißt das, uns kritisch mit unserem eigenen Rassismen, Klassismen, Ableismen auseinander zu setzen. Um dann zu fragen: was können wir gemeinsam tun? Denn den Kampf gegen trans* Armut und trans* Prekarität kann kein Kampf einiger Privilegierter für ihre eigene Sicherheit sein. Es muss ein Kampf für alle trans* Personen sein, für und mit den Marginalisiertesten unter uns.

 

(EN)

Trans* people are often affected by poverty and precarity. On average, we earn far less than our cis colleagues. After our coming out, we often have to change jobs and get less money. Or we become unemployed. In the EU on average, trans* people are about 3 times more often unemployed than cis people. Cissexism and transmisogyny permeate wage labor in Austria as well. They intertwine with racism, classism, ableism. Trans* persons of Color and Black trans* persons are especially often unemployed. Trans* persons with low formal educational qualifications and low wages lose particularly large amounts of their income as a result of their transition. Overall, we often find ourselves in insecure and precarious jobs and industries, in gastronomy, arts and entertainment. Many of us work as one-person companies. This allows them to escape discrimination from colleagues. However, paid vacation and paid sick leave do not exist, or are only available with expensive additional insurance.

At the same time, trans* lives are particularly expensive. Changing one’s legal gender status or the diagnosis for hormones and surgeries costs a small fortune. And often the health insurance only pays for the cheapest, worst surgeries. Very rarely do they reimburse the other surgeries that many of us need not only to feel comfortable in our bodies, but simply to be reasonably safe. Standing out as trans* is not only uncomfortable, but it often means brute physical force. Yet many trans* people can’t afford health insurance, or because they don’t have the proper citizenship, can’t change their name and gender in their passport. But trans* lives are also expensive, because many of us choose to live alone instead because of everyday discrimination – and still experience completely legal trans hostility when looking for housing in Austria.

The massive inflation is therefore hitting us particularly hard. Food price inflation is at 20 percent. Energy price increased on average by 55 percent compared to the previous year. Thus, trans* people with their rather small incomes are particularly affected by the current price increases, and those with the lowest incomes among us are hit the hardest. Thus, the current inflation disproportionately affects trans* people who face racist, classist, or ableist discrimination.

What sounds sober, mathematical here is lived reality for us. If the lives of the vast majority of trans* people were not already precarious before the current crisis, they are now definitively so. The insecurity that the norms of white, ablist cis-gendering introduce into our lives is multiplied by the deepening societal economic crisis. “Should I come out on the job right now?”, “Can I afford my surgery or hormones right now?”, “Can I still afford that drink in a scene bar?” are questions that many of us are currently asking ourselves even more frequently and also more desperately than usual.

In this country, where the federal and state governments refuse persistently to recognize the current situation as a social crisis, just as they persistently refuse to understand neoliberalism and capitalism in general as a social crisis, in a country where racism, sexism and ableism exclude so many from social benefits, it is not enough to keep appealing to the government. Because beyond that, we need to develop and deepen solidarity among ourselves. Because trans* lives here are deeply divided by racism, classism, and Ableism. They are lines and divisions that secure privilege for some of us. And it is these very lines that allow this government and capital to continue to exploit all of us, threatening some trans* lives with poverty and throwing others into poverty.

To subvert these lines, perhaps even to one day abolish them from the world, we need collective spaces. Spaces like today, where many of us gather, and places like non-commercial bars and clubs, such as the Villa in Vienna. And we need the courage and strength to engage in dialogue with each other. This must not be the work of the most marginalized among us. It is a collective task. For those who, like me, are more privileged, it means critically engaging with our own racisms, classisms, ableistisms. To then ask: what can we do together? Because the struggle against trans* poverty and trans* precarity cannot be a struggle of some privileged people for their own security. It must be a struggle for all trans* people, for and with the most marginalized among us.

 


 

 

Rhonda – Venib

(DE)

Ich bin wütend. Ich bin scheiße wütend. Dass wir uns jedes Jahr erneut treffen müssen, um der ermordeten trans Personen zu gedenken. Von denen es viel zu viele gibt, und die Dunkelziffer noch weitaus größer ist. Denn nicht nur jene, die wir durch physische Gewalt verloren haben, sondern auch jene, die in den Tod getrieben wurden müssen wir mitbedenken.

Wir erlebten in den letzten Jahren, insbesondere den vergangenen Monaten eine massive Zunahme an Gewalt gegen trans Personen. Eine Zunahme an der Verrohung der Sprache. Eine Zunahme an der psychischen Belastung, die wir trans Personen durch diesen offenen Hass und Hetze erleben. Eine Zunahme an Akzeptanz in Medien, die diese Hetze und Diskriminierung zur Meinung hochstilisieren. Die dazu beitragen, dass der offene Hass gegen trans Personen immer aggressiver wird in der Wortwahl, das uns inzwischen sogar von politischer Seite die Existenz abgesprochen wird. Und Medien bezeichnen die Benennung von Transfeindlichkeit als “Nebelgranaten”.

Ich bin scheiße wütend darauf, was dieser offene Hass und Hetze für Auswirkungen hat. Und ich brauch garnicht in die Statistiken schauen um zu wissen, dass Brasilien unter der Führung von Bolsonaro wieder erneut an der Spitze der ermordeten trans Personen steht, durch das Klima, das er ganz direkt damit beeinflusst. Ich bin froh, dass er nicht mehr Präsident ist – aber er hat die Gesellschaft nachhaltig vergiftet, und das bleibt.

Wir erlebten, wie massiv Trump das Klima in den USA nachträglich vergiftet hat. Wie es notwendig war dagegen aufzustehen, dass unsere Existenz nicht geleugnet und in Abrede gestellt wird. Und wer lässt sich für die nächsten Wahlen in den USA wieder aufstellen? Trump.

Ich brauch aber garnicht soweit weg schauen um die direkten Auswirkungen vom offen geschürten Hass und Hetze zu sehen und zu erkennen. Wir alle wissen nur zu gut, wie es Malte ergangen ist. Der gegen Lesbenfeindlichkeit eingetreten ist. Während einer Pride Parade. Und dann brutal niedergeschlagen wurde, so dass er an den Folgen davon verstorben ist. In Deutschland. In 2022.

Auch hierzulande sind wir nicht weit davon entfernt. In Linz z.B. wurden heuer trans Jugendliche verprügelt. Auch das sind leider keine Einzelfälle mehr.

Ich bin unsagbar wütend. Und enttäuscht. Dass Medien nach wie vor den Diskurs über unsere Existenz nicht als das erkennen und bezeichnen, was er ist: Offene, transfeindliche Diskriminierung. Solange die Bezeichnung von Transfeindlichkeit medial noch als Nebelgranaten bezeichnet wird, solange wird es notwendig sein, dass wir auf die Straßen gehen. Solange transfeindliche Hetze es in verschiedenste Fernsehformate schafft und als “Meinung” dargestellt wird, sei es bei Funk durch Leeroy, im ZDF durch 13 Fragen oder bei Puls24 durch Pro und Contra, solange wird es leider weiterhin notwendig sein, sich dagegen stark zu machen und aufzustehen.

Denn die offene Hetze und der Hass haben Folgen. Oft schwerwiegende Folgen. Und diese werden aktuell viel zu häufig medial geschürt und gestärkt. Jedesmal, wenn offen transfeindliche Personen erneut in Medien einen Platz bekommen und über sie berichtet wird, hilft dies der Verbreitung der Hetze. Ihr seid Mitschuld. Ihr habt es zur Meinung hoch stilisiert und gesellschaftsfähig gemacht, statt eurer journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen. Falsch verstandener Meinungspluralismus über unsere Existenz ist keine Berichtserstattung.

Und solange es Hassplatformen wie kiwifarms offen im Netz gibt, auf der von feministischen und trans Personen persönliche Daten gesammelt werden, um sie gezielt angreifen zu können, und der Psychoterror sogar noch gefeiert wird, solange wird es notwendig bleiben, hart und stark gemeinsam solidarisch gegen diese Hetze aufzustehen und anzugehen.

Ich bin wütend. Ich bin scheiße wütend. Und ich bin müde. Ich bin es müde, wütend sein zu müssen. Über dieses Ungleichgewicht überhaupt noch reden zu müssen. Es kostet Leben. Es hat auch hierzulande schon Leben gekostet. Hande – eine trans Frau – wurde vor sieben Jahren hier in Wien ermordet.

Der Wahnsinn muss endlich aufhören. So weit darf es nie wieder kommen.

(EN)

I am angry. I am fucking angry. That we have to meet every year, again and again, to mourn murdered trans people. There are way too many of them, the estimated number of unreported cases is even higher. We have to think not only of the ones we lost due to physical violence, but also the ones who were driven to suicide.

In the last years, but especially in the last months, we had to witness an increase of violence against trans persons. The language used is becoming more brutal. The psychological pressure on us trans people is increasing due to open hatred and outspoken hate speech against us. Hate speech and discrimination are more widely accepted due to media framing it as „opinion“. They are contributing to more open hatred and aggressive language directed towards trans people, leading to politics denying the existence of trans people. Media name the out-calling of trans hostility „smoke grenades“.

I am fucking angry about the consequences that open hatred and hate speech have. I don‘t even need to have a look at the statistics to know that Brazil under the leadership of Bolsonaro is, again, at the top of the list of the countries with most trans people killed there, in a climate which he directly influenced. I am happy that he is not the president anymore – but he did poison the climate in Brazilian society, and that will last.

We witnessed how Trump poisoned the climate in the USA massively and in a lasting way. How it was necessary to stand up against that, that our existence was denied. And who is running for president in the US again? Trump.

I do not need to look so far away to see and acknowledge the direct consequences of publicly fuelling hatred against trans people. We know all too well what happened to Malte. Who was standing up against hatred towards lesbians during a Pride Parade. Who was beat up brutally and died because of the injuries he suffered from the attack. In Germany. In 2022.

Here in this country, we are not far away from this. In Linz for example, trans youth were beat up this year. These are not isolated cases anymore.

I am incredibly angry. And disappointed. That the media do not recognize and name the discourse about our existence as what it is: Public, transphobic discrimination. As long as calling out hostility towards trans people is equaled to “using smoke grenades”, it is necessary for us to take to the streets. As long as hatred towards trans people is being broadcasted in various TV-formats and framed as „opinion“, be it by Funk by Leeroy, by ZDF in „13 Questions“ or by Puls24 in „Pro and Contra“, it will be necessary to stand strong against it.

Public hatred and hate speech have consequences. Grave consequences. And those consequences are pushed and reinforced by the media. Every time transphobic people take up space in the media and there are reports about them, this reinforces hatred. You are complicit in this hatred. You have elevated it as an opinion and made it socially acceptable, instead of complying with you journalistic duty. A debate about our existence is not „pluralism of opinions“ and reporting about it that way is not “media coverage”.

As long as internet platforms which spread hatred publicly, like kiwi farms, where personal data of feminist and trans persons is collected to be able to attack them directly, and this kind of psycho terror is being celebrated, it is necessary to stand strong against hate speech.

I am angry. I am fucking angry. And I am tired. I am tired of having to be angry. That we even have to talk about the injustice of it. It costs lives. It has cost lives in Austria as well. Hande – a trans woman – was murdered here seven years ago.

The madness has to stop. This must not happen ever again.

 


 

 

Djana – Venib

 

(EN)

As many of you know, last year, we had to cancel the trans day of rrrr march due to safety concerns. Last year by this time, tens of thousands of antivaxxers were clogging the streets, announcing protests very close to the places were we wanted to hold our own protest. There also were telegram messages of anti vaxxers announcing to “join” our protest. Yikes.

So we didn’t have our march.

I didn’t have my speech.

But many of you showed up in solidarity at the spot we announced the gathering for and we were able to listen to some important speeches. I still feel the power that gave to me, and I want to thank you with this little delay.

To prepare for this speech, I was reading last years speech and I decided to try to bring to our memories some events that happened during the last twelve months – it’s Trans Day of Remembrance, so let’s remember:

I remember a certain famous Vienna-based podcaster being accused of transphobic contacts and tendencies in her contents. I remember her suing one of the people who criticized these tendencies. I remember how this felt like a foreshadowing for what might happen in the following year, since in Germany and in the UK there were already broad transphobic discussions heating up as a reaction to trans people gaining more rights.

I hate that.

I hate how people that are considered feminists are fuelling the reactionary flames that are backlashing at us, the moment we start to see some progress.

I hate how in Austria both parties that have the audacity to try to govern us are plattforming transphobic assholes. Yes, I would expect that from ÖVP, which will never step aside from it’s Christian Fascist Heritage. But I did not expect it from members of the green party. Until June. When a politician, that many of us considered an ally, started to make statements in public that reproduce the transphobic narrative of trans women invading women spaces.

In my head there is a picture of this politician and the other ÖVP politician I mentioned earlier (during soundcheck), they’re sitting on a couch, eating popcorn and watching the fake-news Documentary “What is a woman”. Behind them on the wall there is a portrait showing Engelbert Dollfuß. And another one is showing Milo Yiannopoulos (that is an altrighter from the last decade. Congratulations to everybody who forgot about him).

So in an interview a Green Anti Trans Activist spread rumours and lies about trans women. About people she still insists to call biological men.

Listen up you bigots: I am not a man!

The Hair on my face, the growth of my body, the sound of my voice do NOT determine whether I am a man or a woman. The same way they do not determine whether Faika or Gudrun Kugler or Queen Elizabeth are women. I am what I am. I know how that changed during the years and which factors apply.

Let’s address some of the lies, because I want you all to hear loud and clear that they are lies and what consequences they have. We often said that during the past months. But let’s mention and debunk some of them.

It has been claimed that during this year’s Dyke March in Cologne participants of the march had been attacked and excluded from the protest because they were holding signs that claimed that lesbians didn’t have penises. That is wrong. They were not participating. They showed up with the intention of interfering with the march, positioned on a bridge that led over the route. Spreading this lie is simply amplifying the wrong statement about lesbian genitalia. It’s not only excluding trans women from lesbian spaces but also their partners and any lesbian who might consider dating trans women.

Anti Trans Activists claim that in the UK trans rights lead to male inmates being able to be assigned to women’s prisons so they could continue to sexually offend women. These claims are conveying the impression that cis women have to be protected from trans women. I don’t think so. And I also don’t think that people go to jail because society wants to protect them.

In the interview, it is also claimed, that enabling self-identification during legal gender recognition processes will lead to trans people being left without psychological advice. That is also wrong. I have been through all stages that are necessary to get your gender affirmed by the state. I saw a psychiatrist, I saw a psychologist and I talked about it with my therapist. None of them had any advice for me about how to handle my transness.

And that’s okay.

Because I have friends.

And I have you.

And I have everyone of Verein Nicht Binär supporting me.

But please don’t let Anti Trans Activists go around and tell everybody that forcing us to see a doctor will lead to psychological support. We NEED this support because the assholes who spread lies about us are louder than we can ever be.

Except today.

Concerning the specifications, these speakers can produce a sound pressure of 136 decibel. That would be as loud as a jet engine taking off. We might not be as loud as we could be and the sound might not be directed towards you. But today we will be heard and we will be seen. These will be our streets today. Thank you everyone for joining us.

 

Whose Streets?

Our Streets

Whose city?

Our City

 

Whose Bodies?

Our Bodies

 

Whose Night?

Our Night

 

Whose Dicks

Our Dicks

 

Whose Clits?

 

(DE)

Wie viele von euch wissen werden, haben wir letztes Jahr die Trans Day of Remembrance-Demo aus Sicherheitsgründen absagen müssen, weil Zehntausende von Impfgegner*innen die Straßen Wiens gefüllt haben und ihre Kundgebungen auch sehr nah in der Nähe unserer Schlusskundgebung angemeldet haben. Zu allem Überfluss ist in Telegram-Channels der Impfgegner*innen dazu aufgerufen worden, unsere Demo zu “besuchen”.

Daher hat es letztes Jahr keine Demo gegeben.

Und ich hab keine Rede gehalten.

Allerdings haben sich dann am Stephansplatz trotzdem über hundert Leute versammelt, um ihre Solidarität auszudrücken, und wir bekamen doch ein paar tolle Reden zu hören. Ich kann die Kraft, die mir das gegeben hat, immer noch spüren. Und mit etwas Verspätung möchte ich mich daher bei euch bedanken.

Um mich für die diesjährige Rede vorzubereiten, hab ich meine letzte Rede noch einmal gelesen und mich entschlossen, uns ein paar Dinge in Erinnerung zu rufen, die danach passiert sind. Es ist Trans Day of Rememberance. Also erinnern wir uns:

An eine bestimmte Podcasterin, die mit ihren transfeindlichen Kontakten und tendenziell transfeindlichen Inhalten konfrontiert wurde, worauf sie mit einer Klagsdrohung reagiert hat. Auf mich hat das wie ein Vorbote gewirkt für das, was da noch kommen könnte. Wir alle haben zu der Zeit besorgt nach Deutschland und Großbritannien geschaut, wo bereits transfeindliche Diskussionen entbrannt sind, als Reaktion auf die Verbesserung der rechtlichen Situation von trans Personen.

Scheiße oida.

Ich hass es, wenn Leute, die für Feminist*innen gehalten werden den reaktionären Backlash anheizen, sobald wir nur das kleinste bisschen Weiterentwicklung erfahren.

Ich hass es, wie in Österreich die beiden Parteien, die die Dreistigkeit besitzen, uns regieren zu wollen, transfeindlichen Arschlöchern eine Plattform bieten. Ich mein okay, von der ÖVP kann man das erwarten, die wird sich nicht von ihrem christlich-faschistischen Erbe lossagen. Aber von Mitgliedern der Grünen hab ich es ehrlich gesagt nicht erwartet. Bis Juni dieses Jahr. Als eine Politikerin, die viele als Verbündete gesehen haben, begonnen hat, in der Öffentlichkeit transfeindliche Narrative zu reproduzieren. Zum Beispiel das Narrativ von der zu frühen Hormonbehandlung oder die Lüge von den trans Frauen, die in Frauenräume eindringen wollen.

In meinem Kopf sitzt diese Politikerin neben einer Politikerin der ÖVP, die ich heute aus rituellen Gründen schon beim Soundcheck erwähnt habe, auf einer Couch, isst Popcorn und schaut die Schwurbel-Dokumentation “What is a Woman”. Hinter ihnen hängt ein Bild von Dollfuß und eins von Milo Yiannopoulos (das ist ein Alt-Righter aus dem vorigen Jahrzehnt, seid froh, wenn ihr den vergessen habt).

Also – diese eine Grüne Anti-Trans-Aktivistin hat in einem Interview Gerüchte und Lügen verbreitet. Über trans Frauen, allerdings besteht sie weiterhin darauf, uns als biologische Männer zu bezeichnen.

Hört mal her, ihr scheinheiligen Orschkinder: ICH BIN KEIN MANN! Weder meine Gesichtsbehaarung, noch die Art, wie mein Körper gewachsen ist, und auch nicht meine Stimme sind sichere Zeichen dafür, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Genauso wenig wie das die Zeichen dafür sind, dass Gudrun Kugler oder Faika El-Nagashi oder irgendeine meiner Freundinnen Frauen sind. Ich bin was ich bin, und ich weiß selber am Besten, wie sich das in den letzten Jahren verändert hat und welche Faktoren zutreffen.

Aber sehen wir uns bitte ein paar von den Lügen an. Ich möchte, dass ihr laut und klar hört, dass es sich um Lügen handelt und welche Konsequenzen sie haben. Wir haben das in den letzten Monaten oft gesagt, aber lasst uns einige davon erwähnen und aufdecken.

Es wurde behauptet, dass beim diesjährigen Dyke March in Köln Teilnehmerinnen angegriffen und ausgeschlossen wurden, weil sie ein Schild gehalten haben, auf dem gestanden ist “Lesben haben keinen Penis”. Das ist falsch. Es waren keine Teilnehmerinnen. Es waren Leute, die sich mit Schildern auf eine Brücke gestellt haben, unter der die Demo durchziehen musste. Die Absicht war, die Versammlung zu stören. Diese Lüge zu verbreiten, stellt schlicht und einfach eine Verstärkung der falschen Behauptung über die Genitalien von Lesben dar. Dabei werden nicht nur trans Frauen aus lesbischen Räumen ausgeschlossen, sondern auch ihre Partner*innen und jede Lesbe, die in Betracht ziehen könnte, vielleicht mal eine trans Frau zu daten.

Anti-Trans-Aktivistinnen behaupten auch, dass die Verbesserung der rechtlichen Situation für trans Personen dazu führt, dass männliche Haftinsassen sich in Frauengefängnisse versetzen lassen können, um dort weiterhin Frauen sexuell belästigen zu können. Diese Behauptungen vermitteln den Eindruck als müsste man cis Frauen vor trans Frauen schützen. Ich glaub nicht, dass das nötig ist. Und ich glaub nicht, dass Menschen im Gefängnis sitzen, weil sie die Gesellschaft schützen möchte.

Im Interview wird auch behauptet, dass die Selbstbestimmung über den eigenen Personenstand dazu führt, dass trans Personen die psychologische Unterstützung entzogen wir. Auch das ist falsch.

Ich bin durch alle drei Stufen der Stellungnahmen durch, und weder mein Psychiater, noch der klinische Psychologe, noch meine Therapeutin hatten Ratschläge für mich, wie ich mit meiner Transness umgehen soll.

Und das ist okay.

Dafür hab ich Freund*innen

Und ich hab euch.

Und ich hab alle Leute beim Verin Nicht Binär, die mich unterstützen.

Also lasst bitte Anti-Trans-Aktivist*innen nicht herumlaufen und der ganzen Welt erzählen, dass es sich um psychologische Unterstützung handelt, wenn wir GEZWUNGEN werden, uns von einem Arzt begutachten zu lassen. Wenn wir psychologische Unterstützung brauchen, dann zum Beispiel deswegen, weil solche Arschlöcher lügen verbreiten und dabei lauter sind, als wir jemals sein können.

Aber nicht heute.

In der technischen Beschreibung dieser Lautsprecher steht, dass sie einen Schalldruck von 136 Dezibel erreichen können. Das wäre ungefähr so laut wie ein Düsenjet. Ganz so laut werden wir heute nicht sein, und die Lautsprecher werden nicht direkt auf euch gerichtet sein. Aber heute werden uns die Leute hören und sie werden uns sehen. Heute sind das unsere Straßen

Danke, dass ihr alle dabei seid!

 

Wessen Straße?

Unsre Straße

 

Wessen Stadt

Unsre Stadt

 

Wessen Körper?

Unsre Körper

 

Wessen Nacht?

Unsre Nacht

 

Wessen Schwänze

Unsre Schwänze

 

Wessen Clits?

 


 

 

Pepper – Genderklage

 

Ich wollte eigentlich mit was Lustigem starten, weil Absurditäten find ich witzig und Humor ist mein „Coping-Mechanism“, aber es ist eigentlich nicht mehr wirklich lustig. Ich möchte euch aber trotzdem was über die Genderklage, Pokémon und die österreichische Bürokratie erzählen.

Mein Name ist Pepper ich benutze kein Pronomen oder they/them,  ich bin die Kläger*in der Genderklage und bei Venib – Verein Nicht-Binär organisiert.

Am 31. März 2021, dem Trans Day of Visibility, habe ich den Antrag auf Streichung meines Geschlechtseintrags gestellt. Seitdem ist viel passiert, aber wenig weiter gegangen.

Wie ihr vielleicht wisst, gibt‘s seit einiger Zeit alternative Geschlechtseinträge in Österreich. Also neben w und m auch inter, divers, offen und die Möglichkeit den Eintrag zu streichen. Die alternativen Einträge bekommen aber nur inter Personen mit Fachgutachten,  trans Personen können lediglich von m zu w oder w zu m wechseln, nicht-binär gibt es (noch) gar nicht, dagegen läuft auch ein Verfahren. Mein Antrag wurde erwartungsgemäß abgelehnt, seitdem klage ich dagegen. Genderklage.at ist die Kampagnenwebseite.

 

Es ist ein langer Weg, aber hoffentlich nicht so ein langer Weg wie der von Pokémon. 1996 kam die erste Generation mit Rot und Blau auf den Markt. Man spielt den Helden aus dem zugehörigen Anime. Wie in so vielen Videospielen ist die Hauptfigur ein cis Mann. Im Patriarchat ist die Binarität noch stärker ausgeprägt, da gibt es überhaupt nur zwei relevante Gruppen: Entweder du bist ein weißer cis Mann oder eine Pornokategorie.

 

Die österreichische Rechtsordnung ist in diesem Punkt erstaunlich progressiv, wenn auch eher unabsichtlich: Es gibt nämlich kein Gesetz, das sagt welche oder wie viele Geschlechter es gibt. Die Diskriminierung, die wir bekämpfen, geht also vom Innenminister aus.  Kickl, Nehammer und jetzt Karner haben salopp gesagt, einfach „keinen Bock“, uns korrekte Dokumente zu geben.

 

Die 2. Pokémon Generation, also Gold und Silber kamen 2001 auf den Markt. Dort kann eins sich erstmals eine blaue männliche oder eine rote weibliche Spielfigur aussuchen. Interessanterweise gab es aber einen Glitch in dem Spiel. Ein Glitch erlaubt Spieler*innen, etwas zu tun, das von den Entwickler*innen eigentlich nicht vorgesehen war. Meistens wird das zum Cheaten benutzt. In diesem Fall erlaubt ein Glitch,  die männliche Figur mit roter Farbe bzw. die weibliche Figur mit blauer Farbe zu spielen.

So much representation. Wow.

 

Glitches gibt es aber auch in der österreichischen Verwaltung.  Die Durchführungsanleitung des Innenministeriums, also quasi der Programmcode für die Verwaltungsmitarbeiter*innen, schreibt vor, wie Personenstandsänderungen durchzuführen sind. Im Wesentlichen steht da also drinnen, dass nicht-binäre Personen nur binäre Einträge bekommen, entsprechend alle anderen Anträge abgelehnt werden sollen.

Manche Ämter machen die Änderung aber trotzdem. Welche das sind, darüber können wir natürlich nicht reden. Vor allem, um jene Menschen zu schützen, die dann potenziell Repressalien ausgesetzt wären. Ein typisch österreichischer Weg also.

Sollte das Innenministerium wirklich bei einer Person die Änderung beanstanden und rückgängig machen wollen, wäre das ein natürlich ein Skandal. Obwohl… wäre es ein Skandal? Sind wir relevant genug? Oder würde das Thema einfach untergehen?  Ein hohes Risiko mit wenig Hoffnung.

Im August gab es nämlich ein Interview der Österreichische Presseagentur APA, mit Helmut Graupner,  darin ging‘s um offene Punkte bei LGBTQIA+-Rechten in Österreich. Die Diskriminierung nicht-binärer Menschen beim Geschlechtseintrag war nicht in der Aussendung

und das, obwohl Graupner mein Anwalt ist und somit aus erster Hand berichtet.

Auch sonst tun Medien oft so, als gäbe es gar kein Problem,  wenn es um die alternativen Geschlechtseinträge geht. So funktioniert Silencing.

 

Vorgestern sind jedenfalls die neuen Pokémon Editionen Karmesin und Purpur erschienen. Die Geschlechter der Spieler*innen sind nach wie vor binär. Auch die der Pokémon. Es stehen aber jetzt erstmals sämtliche Styles und Frisuren für beide Geschlechter offen. Mann kann also jetzt auch lange und Frau kurze Haare haben. Nintendo hat 26 Jahre gebraucht, um Gender und Gender-Expression zu trennen.

 

Wir brauchen hoffentlich keine 26 Jahre. Nach 1,5 Jahren haben wir jetzt endlich ein Ende der Zuständigkeitsfrage erreicht. In diesem ganzen Zeitraum gings nämlich kein einziges Mal um den Inhalt, sondern nur um die Form.

Am Ende des Tages unterschreibt den Bescheid sowieso eine Beamt*in am Magistrat, aber das Gerichte wollte herausfinden, ob bei der Unterschrift wie bisher „für den Abteilungsleiter“ oder stattdessen „für den Bürgermeister“ stehen muss. Das ist jetzt geklärt. Es ist „für den Bürgermeister“. In den letzten Jahrzehnten ist das zwar nie aufgefallen, aber jetzt ist es plötzlich ein Problem. Niemand will die heiße Kartoffel Genderklage anfassen. Es kam ihnen daher vermutlich sehr gelegen, hier keine inhaltliche Entscheidung treffen zu müssen, sondern sich stattdessen mit Zuständigkeiten zu beschäftigen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich ein Asylverfahren in Österreich anfühlt.

Wir haben dann eine Säumnisbeschwerde eingereicht, die wurde aber abgelehnt. Die Behörde wusste ja nicht, dass sie für den Bürgermeister unterschreiben sollte. Weil die Zuständigkeit nicht geklärt war, kann das Amt auch nicht säumig gewesen sein. Die Frist läuft deshalb nicht mehr ab dem Antragsdatum, sondern beginnt mit der Zuständigkeitsentscheidung neu zu laufen. Wir haben Zeit verloren, aber niemand ist schuld.

Was heißt das für uns? Statt bis Ende des Jahres, haben sie bis Ende Mai Zeit zu entscheiden. Wenn sie die Frist wieder verstreichen lassen, mit Nachfrist bis Ende August. Über 2 Jahre bis zur Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts hätte es dann also gedauert. Und dann geht es erst zum Höchstgericht. Und die können sich so viel Zeit lassen, wie sie wollen

Für meinen Antrag auf Streichung warten wir jetzt erstmal wieder. Aber es gibt auch andere Neuigkeiten: Die Person bei Venib, die nicht-binär beantragt hat, hat im Dezember einen Verhandlungstermin bekommen. Das wird jedenfalls super spannend, denn jetzt muss sich der zuständige Richter auch inhaltlich äußern.

Ich habe eine Beschwerde gegen die ÖBB bei der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt eingebracht, weil sie als Anrede nur Herr und Frau anbieten. In einem ähnlichen Verfahren gegen die Deutsche Bahn wurde das Recht auf geschlechtsneutrale Anreden in Deutschland durchgesetzt.

Und zum Schluss noch bisschen Off-Topic, aber passend zur Trans Awareness Woche:

Trans Personen können seit 1.9. Blut spenden. Das Gesetz wurde geöffnet, die Grenzwerte, die die Gesundheit der Spender*innen schützen, sind aber nach wie vor nur für cis Personen angegeben. Ich hab das Gesundheitsministerium gefragt welche Grenzwerte für trans Personen gelten. Sie haben nicht fristgerecht geantwortet und daher jetzt Anwaltspost von mir bekommen.

Ich habe ja eigentlich keinen juristischen Background, aber ich habe jetzt bald alle Wege des österreichischen Verwaltungsrechts durch. Vielleicht sollte ich mal einen Gastvortrag am Juridicum drüber halten. Ich werde jedenfalls das ganze Verwaltungsrecht durchexerzieren, wenn’s sein muss.

 

Genderklage.at, wir freuen uns auch über Spenden.

 

Lasst euch nicht unterkriegen!

Gonna catch `em all.

 

(EN)

I actually wanted to start with something funny, because absurd things make me laugh and humor is my coping mechanism, but things are not really funny anymore.

Anyways I want to tell you something about the law suit “Genderklage”, Pokémon and the Austrian bureaucracy.

My name is Pepper, I use no pronouns or they/them, I am the initiator of the Genderklage law suit and member of Venib – Non-Binary People’s Association.

On March 31st 2021, the Trans Day of Visibility, I filed a request to remove my gender marker with the authorities. Since then, much has happened, but little has progressed. As you may know, there have been alternative gender entries in Austria for some time now. So besides f and m also inter, diverse, open and the possibility to remove the entry. But only inter persons with an expert confirmation get the alternative entries, trans persons can only change from m to f or f to m, non-binary does not exist (yet), but there is a lawsuit as well. My application was therefore rejected as expected, since then I’m suing against it. Genderklage.at is the campaign website.

 

It’s a long way, but hopefully not as long a way as Pokémon. In 1996, the first generation came out with Red and Blue. You play the hero from the anime. Like in many video games, the main character is a cis man. In patriarchy, the binary is even more present; there are only two relevant groups at all: Either you are a white cis man or a porn category.

 

The Austrian legal system is surprisingly progressive on this point, albeit rather unintentionally:  Namely, there is no law that says which or how many genders there are. So the discrimination we are fighting comes from the Minister of the Interior. Kickl, Nehammer and now Karner, to put it bluntly, simply “don’t give a f*ck” to issue correct documents for us.

 

The 2nd Pokémon generation, i.e. Gold and Silver, were released in 2001. There one can choose a blue male or a red female game character. Interestingly, there was a glitch in the game. A glitch allows players to do something that was not intended by the developers. This is usually used for cheating. In this case, the glitch allows to play the male character with red color or the female character with blue color.

So much representation. Wow.

 

Glitches also exist in the Austrian administration. There is a directive issued by the Ministry of Interior, so to speak the program code for the administrative staff, which defines how changes in personal status are to be carried out. Basically, it says that non-binary persons only get binary entries and that all other requests should be rejected.

However, some offices make the change anyway. Of course, we can’t talk about which ones. Above all, to protect those people who would then potentially be exposed to reprisals. So it’s a typically Austrian way.

If the Ministry of Interior should really object to the change in the case of a person and want to reverse it, that would be a scandal, of course. Although… would it be a scandal? Are we relevant enough? Or would the issue just go away? A high risk with little hope.

In fact, in August there was an interview by the Austrian Press Agency APA, with Helmut Graupner. It was about open issues concerning LGBTQIA+ rights in Austria. The discrimination against non-binary people in regards to gender registration was not covered, although Graupner is my lawyer and therefore reports first hand. Also media often acts as if there is no problem at all when it comes to the alternative gender entries. That’s how silencing works.

 

Anyway, the day before yesterday, the new Pokémon editions Scarlet and Violet were released.  The gender of the players is still binary. Also the one of the Pokémon. But for the first time, all styles are open to both sexes. So now a man can have long hair and a woman can have short hair.  It took Nintendo 26 years to separate gender from gender expression.

 

Hopefully, we don’t need 26 years. After 1.5 years, we have finally reached an end to the responsibility discussion. During this whole period, not once was the content discussed, but only the form. At the end of the day, an official at the magistrate’s office signs the decision, but the court wanted to find out whether the signature should be, as previously used “for the head of department” or instead “for the mayor”. This has now been clarified. It is “for the mayor.” For the last couple of decades, that’s never been noticed, but now it’s suddenly an issue. No one wants to touch the hot potato “Genderklage”. So it probably came in handy for them to be able to make no decision here, but instead discuss responsibilities. I don’t even want to imagine what an asylum procedure in Austria feels like.

We then filed a complaint of default, but it was rejected. The authority didn’t know that it was supposed to sign for the mayor. Because the responsibility had not been clarified, the office could not have been in default. The time limit therefore no longer runs from the date of the application, but rather restarts with the jurisdictional decision. We have lost time, but no one is to blame.

What does this mean for us?

Instead of having to decide until the end of the year, they have until end of May to decide. If they let the deadline pass again, with grace period until the end of August. It would have taken more than 2 years until the decision of the regional administrative court. And only then it goes to the high court. And they can take as much time as they want.

For my request to remove my gender marker, we are waiting again. But there is also other news: The person at Venib who applied for a non-binary gender marker got a date for a hearing in December. This is going to be super exciting, because now the judge has to decide on the content.

I have filed a complaint against ÖBB (Austrain Railways) with the Equal Treatment Commission in the Federal Chancellery because they only offer Mr. and Ms. as forms of address. In a similar case against DB (German Railways), the right to gender-neutral forms of address was enforced in Germany.

And finally, a bit off-topic, but appropriate for Trans Awareness Week:

Trans people can donate blood since September 1st. The law was opened up, but the limits, which protect the health of the donors, are still only given for cis people. I asked the Ministry of Health what the limits for trans people are. They did not respond in time and have therefore received a letter from my lawyer.

I don’t really have a legal background, but I will soon have gone through all the bells and whistles of Austrian administrative law. Maybe I should give a guest lecture on it at the Juridicum. In any case, I will go through all the loops of administrative law, if I have to.

 

Genderklage.at, we also appreciate donations.

 

Don’t let them drag you down!

Gonna catch `em all.

 


 

 

Georgmaria Prock

 

(DE)

Guten Tag,

Mein Name ist Georgmaria Prock. Ich bin Obmensch von Cha(i)nge – Trans Peer Group Vienna und einer der Filmemacher vom Dokumentarfilmprojekt trans*phoria, und ich freue mich, heute hier zu euch zu sprechen – auch wenn ich grade sehr nervös bin.

Ich bin auch Teil eines Landwirtschaftskollektivs, wir bauen Gemüse an, das ich davor nie im Supermarkt gesehen habe, mit eigenartigen Namen, Farben und Formen. Die Erntetage beginnen damit, dass wir mit dem Morgenkaffee im Kreis stehen und ein Gedicht vorgelesen wird. Klingt im ersten Moment furchtbar hippie-eso, aber es ist wunderschön. Einfach atmen, und sein.

Diesen Sommer hatten wir eine Abschiedsfeier, nach der ich in der Nacht über einen dunklen Feldweg zum Bahnhof gefahren bin. Es war Sommer. Es war heiß. Ich hatte nur ein T-Shirt an.  Ich hab den Fahrtwind auf meinen nackten Unterarmen gespürt und hab mich extrem frei und bei mir selber gefühlt. Lebendig.

Danach bin ich in der S-Bahn gesessen, total erfüllt und überwältigt von dieser Erfahrung, und hab mir gedacht: Wow, was war da gerade los? Und ich hab realisiert: Mein Kopf war einfach komplett frei, ich hab über nichts nachgedacht. Es hat sich nichts an meinem Körper schlecht angefühlt, ich hab nicht versuchen müssen, irgendeine Dysphorieausprägung zu ignorieren, ich hab nicht drüber nachgedacht: „Warum ist der Dude zu mir hergekommen und hat gesagt »uuhh warum klingst denn du wie ne Frau?«“

Ich hab mich einen ganzen Tag nicht erklären müssen, und nicht rechtfertigen, und nicht educaten – und dass das dann gleich so ein Gefühl der Erfüllung auslöst, und so eine tiefe Ruhe, da stimmt doch was nicht. Und ich frag mich warum das ein Ausnahmezustand ist. Offensichtlich ist es zu viel verlangt, dass Leute mich einfach wie einen Menschen behandeln, und nicht wie eine Kuriosität oder die Auskunft.

Und ich bin ganz ordentlich müde.

Aber dann schau ich auf und sehe die Community, die sich hier findet, die hier zusammenkommt. Ich sehe uns in diesem Moment des Zeitgeistes, in dem wir sehr stark im Auge der Öffentlichkeit stehen. Jetzt ist unser Moment. Klar, wir sehen die Kehrseite der Sichtbarkeit, es gibt mehr Übergriffe, es gibt mehr Gesetze die uns angreifen, aber die Sichtbarkeit ist endlich da. Und wir können sie für uns nützen. Und daran glaub ich einfach, ganz stark, genauso wie ich daran glaub, dass die destruktiven und die terfigen Kräfte ganz, ganz wenige sind, die einfach ganz, ganz laut schreien – aber wir sind mehr als die, und wir sind stärker.

Aber wir sind nur dann wirklich stark, wenn uns nicht untereinander streiten, wer die Aufmerksamkeit bekommt, wer die Community repräsentiert. Die trans Erfahrung ist so weit und divers und reichhaltig, und im Kern geht es ja darum, uns selber zu finden. Deswegen gibt es nicht eine Art, trans zu sein, und deswegen müssen wir gemeinsam kämpfen. Streiten wir uns nicht um das eine Stück Kuchen, das die Welt uns zugesteht. Fordern wir mehr vom Kuchen. Backen wir unseren eigenen. Unser Moment ist jetzt – kämpfen wir gemeinsam für eine sichere und sichtbare Zukunft für uns alle.

Dankeschön.

 

(EN)

Hello,

My name is Georgmaria Prock. I am the chairperson of of Cha(i)nge – Trans Peer Group Vienna and one of the filmmakers behind the documentary film project trans*phoria. Even though I’m incredibly nervous right now, I am excited to speak here to you today.

Among other things, I am part of an agricultural collective. We grow vegetables you won’t see in the supermarket, with peculiar names, shapes and colours. Our harvesting days begin with us standing in a circle, sipping our morning coffee, and a poem is read out loud. At first, this sounds terribly hippie-esotheric, but it’s actually really beautiful. Just breathing, and being.

This summer, we had a goodbye party. Afterwards, I was cycling on a dark field path towards the train station. It was night. It was summer. It was hot. I was only wearing a t-shirt and I felt the air flowing along my naked arms. I felt incredibly free and present. Alive.

Then, as I was sitting on the train, completely full and overwhelmed by this experience, I was asking myself: Wow, what did just happen? And I realised: My head had just been completely clear, I wasn’t thinking about anything. Nothing about my body had felt bad, I wasn’t trying to ignore some manifestation of dysphoria, I wasn’t thinking: “Hm, why did that dude just walk up to me and ask: »Uh, why do you sound like a woman when speaking?«”

I had spent a whole day without needing to explain myself, to justify my existence, to educate – and to have that immediately trigger such a feeling of fulfillment, of deep peace, something is wrong here. I am wondering, why is this a state of exception? Apparently it’s too much to ask people to just treat me like a human being, not like a curiosity, or their information center.

And I’m so, so tired.

But then I look up and see the community that is gathered, that is coming together here. I see us now at this moment in time, that finds us in an intense public spotlight. Our moment is now. Yes, we are seeing the dark side of being visible, with more actual attacks and laws made to attack us. But visibility is finally here, and we can use it to our advantage. I strongly believe in that. As strongly as I believe in the fact that the destructive and terfy forces are a few incredibly scared individuals that are shouting incredibly loudly – but we are more than them, and we are stronger.

But we can only be truly strong as long as we don’t fight amongst each other about who gets to be in the spotlight, who gets to represent the community. Trans experiences are so broad and diverse and rich, and at the heart lies finding yourself – that’s why there can never be just one way of being trans. And that’s why we need to fight together. Let’s not fight each other for that one piece of cake the world is allowing us. Let’s demand more cake together. Let’s bake our own cake. Our moment is now – let’s fight together for a safer and more visible future for all of us.

Thank you.

 


 

Steffi Stankovic

(she/they)

(DE)

Gleich am Anfang muss ich erwähnen, es ist mir eine große Ehre hier zu stehen auf euch zu blicken, und diese Kraft und diesen Widerstand zu spüren. Danke an jede einzelne Person, die hier ist.

Wir sind heute aber aus einem anderen Grund da: Es sind unsere Geschwister, die wir in diesem Kampf (der noch immer andauert) für Freiheit und Frieden verloren haben. Unsere Geschwister, die niemandem etwas schuldig waren. Die niemals jemandem was angetan haben. Die von Menschen von uns genommen worden sind, nur weil sie es durften. Alleine im Jahr 2022 haben wir über 300 dokumentierte Fälle von Todschlag an trans Personen, in den meisten Fällen handelt es sich um BIPOC trans Frauen. Genau diese Gruppe in unserer Community ist am meisten gefährdet und trifft auf die meisten Hürden in der Gesellschaft und dem System, das immer wieder da ist, um uns im Stich zu lassen. Es kommt mir vor, dass heute jede cis Person eine Meinung hat zu trans Personen. Wir sind aber keine Meinung, unsere Existenz ist keine Quote, unsere Seelen stehen nicht zum Verkauf für Medien um Zahlen zu generieren. Unsere Leben sind keine Diskurse für TERFS, um Medienpräsenz zu bekommen und eine Karriere draus zu machen. Es ist die Aufgabe und Pflicht von cis Personen trans Menschen zu schützen und sie ernst zu nehmen. Wir stellen keine Gefahr da, wir sind in Gefahr. Und diejenigen, die das nicht sehen, sind Teil des Problems. Seit tausenden von Jahren werden wir versteckt, und wenn wir nicht versteckt werden stellen sie uns aus wie Zirkustiere. Wir brauchen Schutz, wir brauchen Unterstützung, wir brauchen bessere medizinische Versorgung, psychische sowie physische. Es ist an der Zeit, uns in die Gesellschaft aufzunehmen und nicht nur über Toiletten zu reden.

WIR WOLLEN Respekt und Befreiung! UND WIR WOLLEN ES JETZT ! TRANS LIBERATION NOW!

 

(EN)

At the very start I have to mention that it is a great honour to stand here and look at you and feel this power and resistance. Thank you to every single person who is here today.

But we are here today for a different reason: our siblings, who we lost in the (still ongoing) fight for freedom and peace. Our siblings who did not owe anybody. Who did not hurt anybody. Who other people took from us, because they were able to. In the year 2022 alone there are 300 documented cases of homicide of trans people, most of them BIPOC trans women. This is the most endangered group in our community, which meets most obstacles in our society and our system, which is there to abandon us time and again. It seems to me, that nowadays every cis person has an opinion on trans persons. We are not a subject of opinion, our existence is not a quota, our souls are not for sale for the media to achieve higher audience figures. Our lives don’t serve for TERFS to get attention from the media and make a career out of it. It is the responsibility and the obligation of cis people to protect trans people and to take us seriously. Trans people are not a danger, they are in danger. The ones who do not see this are part of the problem. Since thousands of years we were hidden, and if we were not hidden, we were displayed like animals in a circus. We need protection, we need support, we need medical care, both physical and psychological. It is time to accept us as part of society and not just talk about bathrooms.

WE WANT respect and liberation! AND WE WANT IT NOW! TRANS LIBERATION NOW!

 


 

 

Erin (dey/dem)  – Queerconnexion

 

(DE)

Ich darf heute im Namen der queerconnexion sprechen. Die queerconnexion macht Antidiskriminierungsworkshops in Schulen. In den Workshops erzählen wir von unseren eigenen Biografien und bringen dadurch den Schülis queere Lebensrealitäten näher. Warum machen wir das?

Einerseits wollen wir Berührungsängste gegenüber queeren Menschen abbauen, andererseits wollen wir Schülis, die selber queer sind bestärken. Trans*, nicht-binäre und/oder intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche müssen noch immer unter Diskriminierungen leiden, weil sie nicht in normative Vorstellungen von Geschlecht und Geschlechtsidentität passen. Das geht über erschwerte bis verunmöglichte Namensänderung auf diversen Schuldokumenten, über geschlechtergetrenntes Mädchen- und Burschenturnen, binären Klos bis zu Mobbing durch Mitschüler*innen.

Außerdem sind viele Direktionen und Lehrpersonen nach wie vor voll überfordert, wenn Schülis nicht cis- und/oder endogeschlechtlich sind. Einer der häufigsten Gründe, warum engagierte Lehrpersonen einen Workshop von uns haben wollen ist noch immer: „Hilfe, ein Kind aus meiner Klasse hat sich als trans* und/oder nicht-binär geoutet und wir wissen nicht, was wir tun sollen.“

Wir können mit unseren Workshops aber nur vereinzelt unterstützen und wir können nicht alle Schülis erreichen, die eine Auseinandersetzung mit queeren Lebensrealitäten brauchen würden. Wir machen unsere Bildungsarbeit noch immer ehrenamtlich und wir haben nicht genug Ressourcen, um alle Workshops abzuhalten, die angefragt werden. Im vorigen Schuljahr hatten wir 125 Workshop-Anfragen und wir konnten gerade mal 40 davon halten. Außerdem können wir nur Workshops in Wien abhalten, die Schülis in den Bundesländern erreichen wir gar nicht. Gleichzeitig sind auch noch immer selbsternannte „Bildungsvereine“ wie „Teenstar“ aktiv und verbreiten queerfeindliches und antifeministisches Gedankengut in Schulen.

Laut Lehrplan hat die Schule aber den Auftrag, die Schüler*innen in ihrem Entwicklungsprozess zu einer positiven Lebensgestaltung zu unterstützen. Das muss auch für Schülis möglich sein, die trans*, nicht-binär und/oder inter sind. Wir wollen ein Schulsystem, in dem sich trans*, nicht-binäre und intergeschlechtliche Jugendliche wohl fühlen können. Dafür braucht es eine intensive Auseinandersetzung mit queeren Lebensrealitäten und das darf nicht erst als Reaktion auf queerfeindliche Vorfälle passieren. Es braucht eine umfassende Bildung zu geschlechtlicher Vielfalt. Und die darf nicht von einzelnen engagierten Lehrpersonen abhängen. Es darf auch nicht die ganze Arbeit auf queere Ehrenamtliche geschoben werden, die diese Arbeit dann unbezahlt leisten müssen.

Um ein Schulsystem zu schaffen, in dem sich trans*, nicht-binäre und intergeschlechtliche Jugendliche wohl fühlen, müssen die politischen Verantwortungsträger*innen handeln. Daher fordern wir:

  • Pflichtfortbildungen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt für Lehrer*innen, Lehramtsstudierende und anderen Multiplikator*innen
  • Wir fordern, dass die Vermittlung von einem queer-theoretischen Geschlechterverständnis als Bildungsziel im Lehrplan verankert wird – und zwar in allen Schulfächern
  • Wir fordern: eine umfassende Basis-Förderung – nicht nur Projektförderungen – für Vereine, die queere Bildungsarbeit leisten
  • Wir fordern: den Ausbau von Beratungsangeboten für trans*, nicht-binäre und/oder inter Jugendliche

Kurz gesagt, wir fordern: Protect Trans Kids!

Und falls ihr Lust habt, bei uns mitzumachen, sprecht mich gerne an oder schreibt uns auf Instagram, Facebook oder per Mail an info@queerconnexion.at – queerconnexion mit x

 

(EN)

Today, I am talking in the name of the organization queerconnexion. Queerconnexion offers workshops for antidiscrimination for school classes. In these workshops, we talk about our own biographies to show students what queer lives can be like. Why are we doing that?

On the one hand, we want to reduce reservations towards queer people, on the other hand we want to support students who are queer themselves. Trans*, non-binary and/or intersex children and youth have to endure discrimination, because they don’t fit normative concepts of sex and gender. It is difficult or impossible to change their name on school documents. PE classes are split for girls and boys and often, there are only restrooms for binary genders. Some queer students have to endure mobbing by their peers.

Many schools and teachers are overwhelmed when students are not cis or endo. One of the most common reasons why teachers ask us to hold a workshop is: „Help, a student in my class came out as trans* and/or non binary and we don’t know what to do!”

With our workshops we cannot reach all of the students who would need to know more about queer life and queer biographies. We are not being paid for our educational work and we don’t have enough resources to hold all of the workshops requested. In the past school year, we had 125 requests and we could only hold 40 workshops. We can only hold workshops in Vienna, we do not reach the students who go to school outside the city. At the same time, there are self-proclaimed „expert associations“ like „Teenstar“ which spread anti-queer and anti-feminist content at schools.

According to the curriculum, it is the school’s mission to help students develop a positive approach to life. This also has to be possible for students who are trans*, non-binary and/or inter. We want a school system, where trans*, non-binary and inter students feel safe and welcome. An intense effort has to be made to be more aware of the realities queer people face from day to day, and should not only be a response to queerphobic incidents. There has to be more educational training regarding gender diversity. This should not be dependent on the dedication of singular teachers. The training should not be outsourced to queer volunteers who do their work without being paid.

To create a school system in which trans*, non-binary and inter students receive support, the responsible politicians need to act.

Therefore, we demand:

  • mandatory training regarding sexual orientation and gender diversity for teachers and poeple who study to become teachers
  • a queer-theoretical background should be a goal in the curriculum in every subject
  • there should be a basic continuous funding – not only for projects – for organizations who offer workshops regarding queer issues
  • expansion of counceling for trans*, non-binary and/or inter students

In short, we demand: Protect Trans Kids!

If you want to join our organization, you can talk to me now, or contact us on Instagram, Facebook or via e-mail at info@queerconnexion.at

 


 

 

Dominique Mras

 

(DE)

(EN)

 


 

 

Valerie Lenk – TransX

 

(DE)

Meine Lieben, letztes Jahr sind weltweit 327 Morde an trans* Personen erfasst worden. 65% davon wurden in Zusammenhang mit race berichtet, 48% waren sex workers, 36% hatten Migrationshintergrund, 95% waren trans Frauen oder trans* weiblich, 35% wurden im öffentlichen Raum ermordet und 27% in den eigenen vier Wänden. In Europa wurde 14 trans* Menschen im letzten Jahr aufgrund von Hassverbrechen das Leben genommen.

Das ist die Spitze des Eisbergs der Gewalt gegen trans* Personen. Wenn die Dunkelziffer da auch noch mit einberechnet sein würde, wären diese Zahlen ein Vielfaches höher. In Österreich wurde kein diesbezüglicher Fall gemeldet. Ich habe nachgeforscht und herausgefunden, dass es in Österreich keine Hassverbrechen gegen trans* Menschen gibt – zumindest offiziell. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die überwiegende Mehrheit an Hassverbrechen nicht zur Anzeige gebracht wird. Doch selbst wenn eine trans* Person in Österreich ein Hassverbrechen anzeigt, wird es in dem diesbezüglichen Report nicht als Verbrechen gegen eine trans* Person ausgewiesen – im hate crime report für das Jahr 2021 werden Verbrechen gegen trans* Personen nicht erfasst, es gibt die Kategorie trans* in dem Report einfach nicht.

Aber das fügt sich sehr gut in das Bild ein, das Österreich da bietet – wir haben auch keine Gesetze gegen hate crime und hate speech wie sie in vielen anderen westeuropäischen Ländern üblich sind. Aber das ist ja nicht das einzige Gebiet, in dem Österreich anderen Ländern weit hinterherhinkt. Ich habe anfangs von den offiziell registrierten Mordfällen berichtet. Dabei handelt es sich um die finale Form von Gewalt, die uns angetan werden kann und angetan wird.

Doch unser Leben ist davon gekennzeichnet, dass wir vielerlei Arten von Gewalt an den unterschiedlichsten Orten ausgesetzt sind. Selbst ich in meiner safe-space Mittelschicht-Bubble mit wahnsinnig viel Unterstützung in meinem Umfeld, habe ich in der kurzen Zeit, die vergangen ist seit ich mein trans* sein nicht mehr verdrängen konnte und offen lebe, schon Gewalterfahrungen hinnehmen müssen. Es ist nicht nur das Internet, das eine Plattform für Gewalt bietet, sondern auch das reale Leben; zum Beispiel im Gesundheitsbereich, in dem wir uns eigentlich gut aufgehoben fühlen sollten, können wir ganz offiziell diskriminiert werden – der Gesundheitsbereich ist nämlich ganz explizit vom Diskriminierungsschutz ausgenommen.

Für Gewaltprävention ist allerdings wichtig, dass dort hingeschaut wird, wo Gewalt passiert. Denn erst wenn die Gewalt sichtbar wird, kann dagegen etwas unternommen werden. Deshalb ist es so wichtig, dass alle Menschen gegen Gewalt sensibilisiert werden. Gewalt kann ja in den unterschiedlichsten Formen und an unterschiedlichsten Orten auftreten. Die deutlichste Form ist hier natürlich die physische körperliche Gewalt. Sie kann in Beziehungen oder auch im öffentlichen Raum passieren. Eine besondere Form von Gewalt kann im Zusammenhang mit staatlicher Autorität wie zB der Polizei vorkommen, wo die erfahrene Gewalt gemeinsam mit einem besonderen Gefühl des Ausgeliefertseins passiert: ein Raum, in dem sich ein Mensch sicher fühlen sollte, wird zum genauen Gegenteil, einer Falle. Psychische Gewalt ist zB das Androhen von einem öffentlichen Outing, oder der Zwang zur Konversionstherapie, die noch immer erlaubt ist. Verbale Gewalt ist das absichtliche Missgendern, Beschimpfungen, das lächerlich Machen oder die bewusste falsche Verwendung von Vornamen oder Pronomen. Corrective rapes wären ein Fall von sexueller/sexualisierter Gewalt. Kulturelle Gewalt beschreibt Fälle, bei denen es zB auf Grund der Kultur zu in der Gesellschaft erlaubten Verstümmelungen kommt, wie die genitalverändernden Operationen, die bei intergeschlechtlichen Kindern noch immer erlaubt sind, obwohl hier Österreich schon wiederholt von der UN ermahnt wurde, das zu ändern.

Aber es kann auch zu medizinischer Gewalt kommen, die z.B. bei einer Verweigerung von medizinischer Behandlung vorliegt. Für mich persönlich ist auch die Weigerung, genügend Ressourcen zur Verfügung zu stellen, eine Form dieser Gewaltart – die betrifft alle von uns, die an der trans* Ambulanz einen Termin oder am AKH eine genitalangleichende OP wollen – diese wird nämlich zurzeit einfach gar nicht durchgeführt, weil halt zufällig grade dafür keine Ressourcen vorhanden sind.

Ich habe diese Einteilung von Gewalt unlängst bei einem Vortrag Paul Haller kennengelernt und find sie gut. „Transgender sein“ bringt viele Folgen mit sich, die alle von uns merken. Abseits der sozialen Stigmatisierung zeigt sich das klassischerweise im sozialen Abstieg. Damit eng verbunden ist das Armutsrisiko. Mit dem sozialen Abstieg steigt auch das Risiko von Gewalterfahrungen. Leider zeigt sich dieses Phänomen auch dadurch, dass ein signifikanten Anteil von Wohnungslosen und sex workers trans* Menschen sind. Das Risiko von Gewalterfahrungen ist bei sozial benachteiligten Menschen, Menschen die intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt sind und sex workers, am größten und schwerwiegendsten. Aber natürlich gibt es das alles nicht bei uns in Österreich. Wie gesagt – in Österreich gibt es keine Gewalt gegen trans* Personen.

Ich würde jetzt gerne mit den Worten abschließen – alles wird GUT. Aber wenn wir uns zum Beispiel Femizide anschauen, bei denen uns das Entsetzen mit breitem medialem Echo und gesellschaftliche Konsens begegnet, sehen wir, wie mühsam diese Veränderung ist. Aber auch wenn die Veränderung mühsam ist, sind wir aktuell gerade in diesem Prozess der Veränderung. Transgender tritt das erste Mal prominent in den gesellschaftlichen Diskurs, und das ist unsere Chance, da einzusteigen und positive Veränderungen mitzugestalten. Wir sind die in der Gesellschaft, die aufzeigen, dass es möglich ist, sich von dem strikten und festen Korsett der heteronormativen Geschlechterrollen zu befreien. Es ist höchste Zeit, dass sich alle mit dem Thema Geschlechtsidentität auseinandersetzen, die veraltete Sichtweise der Zweigeschlechtlichkeit aufzugeben und Platz zu machen für eine Welt, in der jede Person so wie sie ist – einzigartig, bunt, individuell – einen Platz hat.

 

(EN)

My dears, last year, 327 murders of trans* people were recorded worldwide. 65% of these were reported in relation to race, 48% were sex workers, 36% were of migrant background, 95% were trans women or trans* female, 35% were murdered in public spaces and 27% in their own homes. In Europe, 14 trans* people had their lives taken due to hate crimes last year.

This is the tip of the iceberg of violence against trans* people. If the number of unreported cases were also taken into account, these figures would be many times higher. No such case has been reported in Austria. I did some research and found out, that there are no hate crimes against trans* people in Austria – at least officially. It is generally assumed that the vast majority of hate crimes are not reported. But even if a trans* person reports a hate crime in Austria, it is not filed as a crime against a trans* person in the report – the hate crime report for 2021 does not include crimes against trans* people, the category trans* simply does not exist in the report.

But this fits very well into the picture that Austria presents – we also don’t have laws against hate crime and hate speech as they are common in many other Western European countries. But this is not the only area where Austria lags far behind other countries. At the beginning, I reported on the officially registered murder cases. These are the final form of violence that can be and is done to us. But our lives are characterised by being exposed to many kinds of violence in many different places. Even I, in my safe-space middleclass bubble with an incredible amount of support in my environment, have had to put up with experiences of violence in the short time that has passed since I could no longer repress my trans* identity and live openly. It is not only the internet that offers a platform for violence, but also real life; for example, in the health sector, where we should actually feel well taken care of, we can be officially discriminated against – the health sector is quite explicitly excluded from the protection against discrimination.

For violence prevention, however, it is important to look where violence happens. Only when violence becomes visible something can be done about it. This is why it is so important that all people are aware of violence. Violence can occur in many different forms and places. The most obvious form is, of course, physical violence. It can happen in relationships or in public spaces. A special form of violence can occur in connection with state authority such as the police, where the experienced violence happens together with a special feeling of being at the mercy of others: a space in which a person should feel safe becomes the exact opposite, a trap. Psychological violence is, for example, the threat of a public outing, or being forced into conversion therapy, which is still allowed. Verbal violence is deliberate misgendering, name-calling, ridiculing or the deliberate misuse of first names or pronouns. Corrective rapes would be a case of sexual/sexualised violence. Cultural violence describes cases in which, for example, mutilation is permitted in society because of the culture, such as genital alteration surgery, which is still permitted for intersex children, although Austria has repeatedly been admonished by the UN to change this.

But there can also be medical violence, for example in the form of a refusal of medical treatment. For me personally, the refusal to provide sufficient resources is also a form of this kind of violence – it affects all of us who want an appointment at the trans* outpatient clinic or a genital reassignment surgery at the General Hospital – these are simply not carried out at the moment because there just happen to be no resources available for them.

I recently got to know this classification of violence at a lecture by Paul Haller and I think it’s good. “Being transgender” brings with it many consequences that all of us notice. Apart from social stigmatization, this classically manifests itself in social decline. Closely connected to this is the risk of poverty. With social decline, the risk of experiencing violence also increases. Unfortunately, this phenomenon is also reflected in the significant proportion of trans* people among homeless people and sex workers. The risk of experiencing violence is greatest and most severe among socially disadvantaged people, people exposed to intersectional discrimination and sex workers. But of course all this does not exist here in Austria. As I said – there is no violence against trans* people in Austria.

I would like to end with the words – everything will be OK. But if we look at femicides, for example, where we encounter the horror with a broad media echo and social consensus, we see how laborious this change is. But even if the change is arduous, we are currently in the process of change. Transgender people are entering the social discourse prominently for the first time and this is our chance to step in and help shape positive change. We are the ones in society who are showing that it is possible to free ourselves from the strict and fixed corset of heteronormative gender roles. It is high time for everyone to deal with the issue of gender identity, to abandon the outdated view of bisexuality and to make room for a world in which every person has a place just as they are – unique, colorful, individual.

 


 

All contributions at the demo will be translated live into ÖGS (Austrian Sign Language). In addition, we plan to provide an English translation of the German speeches on the website.

Alle Beiträge auf der Demo werden live übersetzt in ÖGS (Österreichische Gebärdensprache). Zudem planen wir eine englische Übersetzung der deutschen Redebeiträge auf der Website bereitzustellen.